Plattensammler: Rick Wakeman

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Plattensammler: Rick Wakeman

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Keyboard-Meister Rick Wakeman über die Platten, Künstler und Shows, die ihn nachhaltig beeindruckt haben.

Rick Wakeman hat auf mehr als nur ein paar Rock-Klassikern Keyboard gespielt. Als Solokünstler, als Mitglied von Yes und The Strawbs und neben David Bowie, Lou Reed, Elton John, Black Sabbath, Cat Stevens, T.Rex und mehr war er einer der produktivsten Session-Musiker der Glam-Epoche. Aber Progs selbsternannter grantiger, alter Mann ist auch gesegnet mit einer entwaffnenden Ehrlichkeit: „Ich habe auf einer Menge unglaublich beschissener Platten gespielt“, gibt er zu, bevor er eine weitere Weltklasse-Anekdote erzählt.

DIE ERSTE MUSIK, AN DIE ICH MICH ERINNERE
Mein Vater spielte Klavier. Vor dem Krieg hielten meine Eltern sonntagabends gerne eine Konzertparty ab: Mama sang, Papa spielte und Onkel Stan spielte Ukulele und Banjo. Als ich etwa drei war, kletterte ich aus dem Bett und setzte mich ans Ende der Treppe und lauschte ganz leise. Ich fand, es war das Wunderbarste überhaupt. In dem Moment entschied ich, dass es das ist, was ich tun will. Ich wollte Musik machen.

DER ERSTE SONG, DEN ICH JE LIVE GESPIELT HABE
›Buy A Broom‹, das erste Stück im „Della Quale Here We Go“-Klavierbuch für Kinder. Ich spielte es live vor etwa vierzig Eltern. Meine Musiklehrerin veranstaltete jeden Monat Konzerte für die Eltern ihrer Schüler. Ich ging seit circa zwei Wochen zu ihr, also war ich der Jüngste. Am Ende applaudierten die Eltern höflich und, was ich super fand. Also spielte ich es noch einmal. Ich spielte es ungefähr sechs Mal, bevor meine Mutter aufstand und mich peinlich berührt von der Bühne holte. Das war mein erstes Konzert im Jahr 1954. Ich war fünf Jahre alt.

DER SONGWRITER
Pete Townshend. Weil er sie nicht nur raushaut. Eine Menge Gedanken wandern in das, was er tut.
Wenn er eine Idee hat, arbeitet er an ihr und perfektioniert sie. Also Pete ist ganz oben auf der Liste.

DER GITARRENHELD
Brian May. Er ist so ein einzigartiger Gitarrist. Es gibt wenige, die man in der Sekunde erkennt, in der man sie hört. Brian ist einer davon. Eric Capton auch. Als Creams ›Strange Brew‹ erschien, dachte jeder: „Was ist das?“ Alle Bands spielten damals wie die Shadows, dann kam Eric und änderte das gesamte Wesen der Arbeit an der Gitarre.

DER SÄNGER
Freddie Mercury mag ich wegen seiner opernhaften Art und Bruce Dickinson hat eine Menge Klasse. Ich mag Stimmen, die man direkt erkennt. Roger Daltrey wäre zu nennen, genauso wie Robert Plant. Wenn du Robert aus Led Zeppelin raus nimmst, hast du nicht mehr Led Zeppelin.

DIE UNTERBEWERTETSTE BAND ALLER ZEITEN
Die originalen Tubes. Die müssen in etwa zu zehnt gewesen sein – sie hatten Backing-Sänger, Tänzer – und sie hatten die besten Bühnenbilder. [Sänger] Free Waybill war allen um Lichtjahre voraus. Ich erinnere mich, als ich sie zum ersten Mal in einem kleinen Club in San Francisco sah. Ich war sprachlos, wie gut sie waren. Mir fiel die Kinnlade runter, so professionell, unglaublich.

DIE BESTE LIVE-BAND, DIE ICH JE SAH
Wahrscheinlich einer Mischung aus Aufregung, Musik und allem Drumherum geschuldet, muss ich Led Zeppelin im Madison Square Garden nehmen. Es war einfach elektrisierend.

DIE BESTE PLATTE, DIE ICH JE GEMACHT HABE
HUNKY DORY von David Bowie. Das Album ist fehlerlos, so großartige Musiker, es gab nichts, was an diesem Album nicht stimmte.

David Bowie Hunky Dory

DIE SCHLECHTESTE PLATTE, DIE ICH JE GEMACHT HABE
Ich habe am Nachfolger von Clive Dunns GRANDAD gearbeitet, der GRANDMA, I LOVE YOU hieß. Wir haben in den Air Studios in London aufgenommen und Clive kam rüber und meinte: „Was hältst du von der Platte?“ Ich hab wohl etwas zu lange geschwiegen und er sagte: „Sie ist scheiße, nicht?“ Ich habe versucht, etwas Nettes zu sagen, also sagte ich: „Na ja, nach einem Riesenhit mit einer Platte wie GRANDAD ist es sehr schwer, etwas zu produzieren, das genauso gut ist“. Und er meinte: „Ja, sie ist scheiße, nicht?“ Und ich sagte: „Ja, ist sie wirklich“. Ich habe Clive viele Jahre später getroffen, bevor er gestorben ist, und er sagte: „Hallo, Rick … Sie ist immer noch scheiße“.

DER SONG, DER MICH ZUM WEINEN BRINGT
›Jesu, Lover Of My Soul‹, weil es das Kirchenlied war, die auf den Beerdigungen beider meiner Eltern lief. Ich musste es vor Kurzem neu aufnehmen für einen Film über Lawrence von Arabien und ich gebe zu, dass ich eine Träne vergießen musste, weil ich an meine Eltern denken musste.

MEIN „IN STIMMUNG“-SONG
Wahrscheinlich ›Can’t Get Enough Of Your Love‹ von Bad Company oder ›Hot Legs‹ von Rod Stewart.

MEIN SAMSTAGABEND/PARTYSONG
›Sweet Georgia Brown‹ auf dem Klavier. Mein Vater hat es mir beigebracht, als ich sehr klein war, ich liebe es abgöttisch.

DER SONG, DER BEI MEINER BEERDIGUNG LAUFEN SOLL
Ich muss sagen, dasselbe Stück wie bei meinen Eltern, ›Jesu, Lover Of My Soul‹. Und obwohl ich nicht vorhabe, diese irdische Welt bald zu verlassen, schreibe ich vielleicht ein Chor-Stück, das ich verstecke und das dann erst rauskommt, wenn ich weg bin. Ich könnte es live singen lassen als letzten Abschied. Es wird sehr gut zu dem passen, was auf meinem Grabstein stehen soll: „Das ist nicht fair, ich war noch nicht fertig.“

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