Rückblende: Otis Redding mit ›(Sittin’ On) The Dock Of The Bay‹

-

Rückblende: Otis Redding mit ›(Sittin’ On) The Dock Of The Bay‹

- Advertisment -

Geschrieben von Redding und seinem Gitarristen und Produzenten Steve Cropper, wurde der Song zu einem der langlebigsten Hits von Stax Records. Traurigerweise starb Redding bei einem Flugzeugabsturz, bevor er den Erfolg auskosten konnte.

Im Sommer 1967 war Otis Redding ganz groß. Zuvor war er vor allem in Schwarzen Clubs aufgetreten, dann jedoch erfolgte sein Durchbruch beim Monterey International Pop Music Festival und stellte dem amerikanischen Mainstream den elektrifizierenden neuen Star des Soul vor. „Nach Monterey tourte Redding unentwegt mit seiner Band, den Bar-Kays“, erinnert sich Cropper, damals noch Gitarrist bei Booker T. & The M.G.’s, der Haus- und Hofband von Stax Records, die Redding in Monterey unterstützt hatten. „Erst im August, während eines einwöchigen Engagements in Basin St. West in San Francisco, hatte er ein wenig Zeit zum Schreiben. Auf dem Hausboot von Promoter Bill Graham in der Nähe von Sausalito verbrachte Redding seine Tage damit, mit der Gitarre in der Hand aufs Wasser zu schauen und den Fähren zuzusehen. Schon bald hatte er die ersten Textzeilen eines Songs im Kopf: ‚Sittin’ in the morning sun, I’ll be sittin’ when the evening comes‘.“

Während einer Tourpause im November rief er dann seinen Schreib-Partner Steve Cropper von Memphis aus an. „Erst war er zu Hause in Macon gewesen, dann flog er nach Memphis, weil er unbedingt etwas aufnehmen wollte. Also setzten wir uns zusammen und machten den Song fertig, den er in Sausalito angefangen hatte.“ Redding war nach einem Tempowechsel zwischen rohen Balladen wie ›Try A Little Tenderness‹ oder ›I’ve Been Loving You Too Long‹ und dem hochenergetischen R’n’B à la ›I Can’t Turn You Loose‹ zumute. Inspiriert von SGT. PEPPER der Beatles, das er den ganzen Sommer lang gehört hatte, probierte Redding etwas Neues aus. Das Ergebnis war das süß-melancholische ›(Sittin’ On) The Dock Of The Bay‹. Auf dem Track zeigen sich Booker T. & The M.G.’s beispielhaft zurückhaltend, während Redding vor dem Hintergrund der wogenden Gezeiten über sein Schicksal nachsinnt. „Sittin’ here resting my bones, and this loneliness won’t leave me alone, listen/Two thousand miles I roam, just to make this dock my home, now“.

„Für Otis’ Verhältnisse war das ein Crossover. Mittleres Tempo, kein Tanzlied und auch keine Ballade. Es war eben irgendwo dazwischen. Wir dachten bloß, dass es das vielleicht sein könnte. Weil Otis gerade nicht tourte, waren wir mindestens eine Woche mit ihm im Studio. ›(Sittin’ On) The Dock Of The Bay‹ war bereits eingetütet und wir brachten einfach nichts Besseres mehr zustande. Nach jeder Session hörten wir uns den Song nochmal an, sooft, bis wir uns irgendwann sicher waren, dass er ein Hit werden würde“, so Cropper. Kurz vor dem Fade-Out kommt eine wichtige Stelle. Aufgrund der Stimmung und des Tempos fiel es Otis schwer, aus dem Stegreif einen seiner Standard-Krächzer auszupacken. Deswegen pfeift er am Ende eine recht einfache Melodie. Copper erinnert sich daran: „Otis war einfach kein guter Pfeifer, das hat ihm der Tontechniker Ronnie Capone dann auch gesagt. Aber er hat ihm das Gegenteil bewiesen, nicht wahr?“ Trotzdem war der Track noch nicht ganz fertig. „Otis und ich waren uns einig, dass noch etwas fehlte“, meint Cropper, der den Song auch produzierte. „Es brauchte noch irgendetwas. Wir dachten, dass Background-Vocals vielleicht eine gute Idee wären. Ich meinte zu Otis: ‚Wenn du noch ne Woche warten kannst: Nächste Woche habe ich die Staples Sisters hier, die machen da bestimmt gerne mit‘. Er hielt das für eine großartige Idee. Aber er starb, noch ehe wir es umsetzen konnten.“

Tragischerweise verunglückte Redding nur wenig später zusammen mit den meisten Mitgliedern der Bar-Kays bei einem Flugzeugabsturz. Er wurde nur 26 Jahre alt. Cropper mischte ›(Sittin’ On) The Dock Of The Bay‹ am Boden zerstört fertig. Er integrierte die Klänge von Möwen und Wellen, so wie es Redding gewollt hatte. Er fügte außerdem noch ein paar E-Gitarren-Licks hinzu, die Möwenschreie imitieren sollten. Zu der Zeit musste Reddings Körper erst noch vom Unfallort geborgen werden, Cropper beschreibt das Mischen des Songs als „schwierigste Aufgabe, die ich jemals zu erfüllen hatte“. ›(Sittin’ On) The Dock Of The Bay‹ wurde im Januar 1968, weniger als einen Monat nach Reddings Tod, veröffentlicht und zum sofortigen Erfolg im R’n’B-Bereich. Im März hatte es dann die Spitze der Billboard Charts erreicht. Auch im UK wurde es ein großer Hit und schaffte es in die Top 3. Das zugehörige Album, THE DOCK OF THE BAY, verkaufte sich besser als jede andere Veröffentlichung von Redding. Die Single setzte mehr als vier Millionen Einheiten ab und gewann zwei Grammys. Cropper lehnt es entschieden ab, den Erfolg lediglich auf Reddings Tod zurückzuführen. „Man liest immer wieder, dass die Platte nur so ankam, weil Otis bei dem Flugzeugabsturz starb. Ich stimme dem nicht zu. Ich denke, es ist einfach ein toller Song. Aber ja, wahrscheinlich rückte sein Tod die Single stärker ins Bewusstsein der Menschen.“

Das Lied lebt bis heute weiter und wurde von Künstlern wie Bob Dylan, King Curtis, Willie Nelson, Pearl Jam, T. Rex, Glen Campbell, Michael Bolton und Sammy Hagar gecovert. Als Cropper mit den noch lebenden Mitgliedern von Booker T. & The M.G.’s Neil Young bei seiner Tour im Jahr 1993 begleitete, spielten sie es jeden Abend als Abschluss. „Für mich war Otis immer wie ein älterer Bruder. Erst in seinem Nachruf las ich, dass wir gleich alt waren, aber er wirkte immer so viel gewiefter. Er sang jeden Song, als wäre es sein letzter. Alle Musiker aus diesen Sessions konnten es nicht erwarten, wieder mit Otis zu spielen, weil es ihnen soviel Spaß machte. Wenn Otis da war, fühlte es sich niemals nach Arbeit an. Es war ein Fest.“

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Das Neueste

Jim Breuer und Joe Elliott: Das liebe ich an BACK IN BLACK

Jim Breuer (Comedian und Beano-Imitator) "BACK IN BLACK prägte meine Teenager-Jahre. Es gab, als ich aufwuchs, einen Clash der Sub­kulturen…...

Rückblende: The Quireboys mit ›7 O’Clock‹

Dieser hochansteckende, aufpeitschende Fanliebling von Spike & Co. hatte in den ersten paar Jahren seiner Existenz nicht mal einen...

Die reine Polemik!

Diesmal eher unpolemisch, dafür mit einer tiefen Verbeugung: vor zwei Typen, die 1973 etwas wahrhaft Großes schufen, das in...

Gamechangers: Guns N‘ Roses mit APPETITE FOR DESTRUCTION

Ob Buddy Holly, der den Kids beibrachte, eine Fender Stratocaster zu begehren, George Harrison als Pionier des amerikanischen Folkrock...
- Werbung -

Jackson Browne – DOWNHILL FROM EVERYWHERE

Engagierte Songs – mit karibischen Einschlägen Es werde schwerer und schwerer, neue Lieder zu schreiben, weil einen die eigenen Standards...

Wer verdient am meisten?

Obwohl Tourpläne 2020 durchkreuzt wurden, haben einige Bands Rekordsummen eingefahren. Billboard veröffentlicht die Liste der bestverdienenden Bands des letzten...

Pflichtlektüre

Das letzte Wort: Bob Mould

Vielen gilt er mit seiner einstigen Band Hüsker Dü...

Black Sabbath: Das Ende ist da!

Die Urväter des Heavy Metal haben sich nach ihrer...
- Advertisement -

Das könnte dir auch gefallen
Für dich empfohlen